31.7.09


Sloterdijk brachte es einfach nicht mehr. Wantoch seufzte. Die Mädels gaben offenbar keinen Pfifferling für mehr für Philosophie. Früher, vor 20, 25 Jahren hatte die Masche prima gezogen. Da standen sie noch auf Kerls, die mit einem Glas Rotwein, ein paar Suhrkamp-Taschenbüchern und Notizzetteln vor sich nachdenklich ins Leere starrend an ihrer Pfeife zogen. Ja, das waren noch Zeiten gewesen. Kaum ein Abend, an dem er nicht mit einer Studentin auf seiner schick verblichenen Chaiselongue zwischen den deckenhohen Bücherwänden gelandet wäre. Heutzutage mußte er sich am Grabbeltisch der Mittelalten und Frustrierten bedienen.

Die Frau am Nachbartisch war nicht mehr nüchtern. "Wie auch, nach dem viertem Kaipi" dachte Wantoch, der die Blondierte die letzten eineinhalb Stunden über immer mal wieder sondiert hatte. Profilaktisch sozusagen, falls sich wirklich nichts Besseres ergeben sollte. "Wahrscheinlich 37, Sekretärin, geschieden, und gerade wieder mal von jemandem versetzt worden, bei dem sie Partnerpotential gewittert hatte. Müsste also eigentlich eine von der dankbaren Sorte sein... "

Abgesehen von Frauen war Wantoch Konsumverweigerer, weitgehend jedenfalls. So besaß er zum Beispiel seit Mitte der 80er keinen Fernseher mehr, ein Umstand, den er in Gesprächen gerne, oft und voller Stolz erwähnte. Und so war es kein Wunder, daß er seit geraumer Zeit versuchte, Blickkontakt mit Simone Marbach aufzunehmen, ohne zu ahnen, daß er mit der Blondierten eine der derzeit umstrittensten Moderatorinnen der Republik vor sich hatte.

Die letzten Wochen hatten es nicht gut gemeint mit Simone. Alles hatte damit angefangen, daß sie Ernesto mit Paul beim stehenden Beiwohnen (Wörter wie ,Ficken' kamen in Simones Wortschatz nicht vor) in ihrer Bulthauptküche erwischt hatte. Als bekennende Schwulen-Verächterin traf sie ...

Labels: , , ,

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite