
Beim flüchtigen Blick über den Posteingang stutzte er. Eine Nachricht von Sachs Mariella, Betreff Bochum. Mariella Sachs? MARI? Nach 20 Jahren Funkstille? Mari. Das schlaue, versponnene, versoffene, engelsgesichtige Mädchen, das ihn damals "nur als Freund" wollte, woran auch einige libidinöse Ausrutscher nichts geändert hatten. Mari, die das Beuteschema begründet hatte, dem er noch heute folgte. Mari, bei der er gelernt hatte, sich auf Zurückweisung einzurichten und Erfolg zu fürchten.
Alfred atmete tief durch und klickte. Lalala, dieses Internet, Namen aus der Vergangenheit, alte Weggefährten, lalala, und dann: Da wir ja früher häufig über Bücher und Literatur gesprochen haben, nur kurz und nicht mit der Absicht, mich ins rechte Licht setzen zu wollen: Ich bin doch noch Autorin geworden, mit einem veröffentlichen Roman und Mitgliedschaft Deutschen Schriftstellerverband usw... Nach 10 Jahren beim Circus sei sie jetzt auf der Suche nach neuen Perspektiven, demnächst dann auch mal in Berlin und vielleicht könne man sich ja auf einen Kaffee treffen, "ja einen Kaffee, denn mit dem ungesunden Leben ist es auch schon lange vorbei".
Sätze wie eine kräftig geführte Faust in den Solar Plexus. Alfred hielt sich den Bauch. Las den 15-Zeiler noch einmal und kicherte hysterisch. Mari, Mari, Mari... (tbc)
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