
Verdammtes Rauchen. Alfred fluchte. Die Schachtel war leer und aus dem Reserve-Tabak würde er nur noch zwei sehr dünne Zigaretten drehen können, wenn überhaupt. Ausgerechnet jetzt. Schreiben ohne Kippen. Unvorstellbar. Scheissabhängigkeit! Ich sollte endlich mal aufhören, murmelte Alfred zum Mac. Oft genug probiert hatte er das. Allerdings waren seine letzten Bemühungen so kläglich ausgefallen, dass ihn sogar Lara nur noch auslachte.
Als jüngeres Kind hatte Lara einigen Eifer daran gesetzt, die Welt und Alfred vor Lungenkrebs zu bewahren. Eine Zeit lang waren dramatische Szenen mit und ohne Tränen (Papi, Papi, bitte mach Dich nicht tot...) ebenso an der Tagesordnung wie an unübersehbaren Stellen drapierte Bilder von Raucherbeinen und verotteteten Lungenflügeln. Inzwischen war Lara elf und gefiel sich in altkluger Abgeklärtheit. Alfreds jüngsten Entzugsversuch am vergangenen Wochenende hatte sie mit einem kühlen "Ob sich Aufhören in Deinem Alter überhaupt noch lohnt..." kommentiert.
Pubertierende Mädchen. Pah. Da kommt noch Einiges auf uns zu, vor allem in Sachen Zickerei, murmelte Alfred zum Mac. Erst gestern hatte Lara eine befreundete Nachbarin perfide aus der Fassung gebracht: "Also Judith, Deine Haare haben sich wirklich gut gehalten. Die sind so schön voll, und so viele und so lang, dabei bist Du doch fast so alt wie meine Mutter. Aber Deine werden demnächst bestimmt auch dünner..."
Später am Abend, nach rund zweieinhalb Flaschen Nero Tavola und literweise Reminiszenz waren Judith und Alfred wieder einmal zusammen im Bett gelandet. Im gegenseitigen Trösten bekommen wir langsam Routine, dachte Alfred und kraulte sich zwischen den Beinen. Zu dumm, dass er sie beim Aufstehen heute Morgen dann brüskiert hatte. Drüben klingeln und sich ein bisschen entspannen lassen, genau das wär's jetzt. Und genau das sowie auch jede andere Sorte bequemen Nachbarschaftssex würde er sich für die nächsten Tage wohl abschminken müssen.
Warum hatte er auch wieder diesen dämlichen Scherz gemacht? Den hatte bisher noch jede Frau als Kritik verstanden: Als Dozent für Kommunikationswissenschaften sei er in Sachen Ästhetik, also genauer gesagt im Hinblick auf begehrenswerte Gesichter und Körper doch recht verwöhnt. All die straffen, schönen Studentinnen um ihn herum und das täglich. 20 Jahre Altersunterschied, jenun, aber die Bedeutung der Gesprächsebene sei im Männer/Frauengeschäft doch sowieso maßlos überschätzt... Judith hatte das offenbar weder lustig gefunden noch (was korrekt gewesen wäre) als verstecktes Kompliment verstanden und es plötzlich sehr eilig gehabt, ins Bad und dann aus dem Haus zu kommen.
(tbc)
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