30.11.06

Wir sind Siemens


Der aktuelle SPIEGEL fragt aufgeregt, ob hinter dem "Schmiergeld-Wahnsinn" bei Siemens Methode steckt. So eine alberne und bigotte Frage! Seit Werbe und Geschäftsanbahnungskosten kaum noch deklariert werden können, müssen Unternehmen quasi schwarze Kassen führen, und das möglichst kontrolliert und systematisch, weil alles andere Wahnsinn wäre. Blöd ist natürlich, wenn man Bestechung drauf schreibt wo Bestechung drin steckt, irgendwer mit schlechter Laune das sieht und petzen geht. Wäre Korruption das echte Thema, würden Ermittler und selbst Journalisten fast überall fündig, da wette ich Helmuth Markworts Auslandskonten drauf.

Günstige Voraussetzungen für die Durchsetzung eigener Interessen und Erreichung von Zielen zu schaffen, das lernen wir bereits als Säugling und betreiben es fortan nahezu durchgängig. Das Prinzip dahinter heisst größtmöglicher Effekt bei geringstmöglichem Aufwand - und das ist bekanntermassen einer der Kernleitsätze wirtschaftlichen Handelns.

Die Medien-geschürte Entrüstung über Siemens, VW und Konsorten ist scheinheilig und blöde, zumal sie wie bei jedem "Korruptionsskandal" geifernd etwas ganz Einfaches ignoriert: Wer aus rechtlich-moralischen Gründen auf Aufträge (und/oder gute Konditionen, von Bankkrediten über Einkauf bis hin zum Finanzamt) verzichtet, schiesst sich schnell aus der Wettbewerbsfähigkeit. An der aber hängt der Erfolg und das Überleben eines Unternehmens, also auch Arbeitsplätze, Einzel- und Familienschicksale.

Aber wehe, ein Grossauftrag aus China oder so geht an Franzosen oder Japaner oder Engländer. Dann geifern Spiegel und Co., wie doof und teutonisch buchstabentreu man denn wohl sein kann, und dass ja wohl jedes Baby wüsste, dass man bei Chinesen Mädels, Autos, Bargeld usw. springen lassen muss, um Beziehungen zu basteln, die Umsatz in deutsche Untenehmen bringen...

Aber mal im Ernst: "Bestechung" im engeren Sinne betreibt jeder von uns. Egal, ob wir Szeneheld werden, Bücher schreiben, Kreuzschlitzschraubenzieher oder ganze Halbleiterfirmen vertickern wollen. Und Gewinner ist immer der mit den tieferen Kriegskassen und/oder den besseren Spezln. Das weiß jeder Klempner, der schon mal öffentliche Ausschreibungen mitgemacht hat. Die Entscheider da draussen sind halt korrupt, und das oft ganz offen.

Was soll ich machen, wenn ein Marketingleiter für die Schaltung von Anzeigen als "freundschaftliche Geste der Anerkennung" die Finanzierung einer Kurzreise an die Cote d'Azur (mit Begleitung) einfordert? Tue ich die 5.000 Flocken raus, oder schenke ich dem Wettbewerb mal eben eine Auftrag im Wert von € 80.000,00? Das ist ein Dilemma. Und seit ein paar Jahren weniger ein moralisches als vor allem ein buchhalterisches. Dafür hat der Gesetzgeber gesorgt, der Unbestechliche...

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