1.11.06

Boccia mit Gebeinen


Über Abdel Abdessemed hat sich außer ein paar Kunstspacken niemand ereifert. Obwohl der in einer Berliner Kirche ein Skelett aufgehängt hat. Und wer interessiert sich schon wirklich für die Heere von Langweilern, die sich zu Halloween und Karneval mit aufgemalten oder echten Menschenknochen schmücken oder als Serienkiller auftreten?

Dafür empört sich die Welt über spätpubertierende deutsche Soldaten, die mit den Gebeinen afghanischer Kriegsopfer Schabernack treiben und Totenschädeln rote Mützchen aufsetzen. Die einen schwafeln über mangelden Respekt gegenüber Verstorbenen und allgemeinen Werteverlust, die anderen über mangelnden Respekt gegenüber dem afghanischem Volk, wieder andere basteln Szenarien des Vergeltungsterrorismus -- die Meinungsmaschine rattert im Höchstleistungsmodus.

Dabei hatte die BILD (als Vorreiter) bloss ihren Beitrag zur Eröffnung der erneuten öffentlichen Debatte über Auslandseinsätze deutscher Truppen geleistet und lindert nun (zusammen mit der restlichen Medienmischpoke) die Argumentationsnot bei der aktuellen Entscheidung über die Verlängerung teurer und weitgehend ineffektiver Gastspiele als Aufbauhelfer und Friedenssicherer. Denn wo das Ansehen Deutschlands gefährdet ist, da ist jeder noch so schwachsinnige Aufwand vertretbar. Noch ein paar Emnid-Umfragen und ab dafür. Die Budgetentscheider im Kanzleramt und anderswo haben ihre Rechtfertigung; klar bleiben "wir" in Afghanistan, und damit die Öffentlichkeit sich über die Kosten nicht weiter aufregt, werden anderswo eben ein paar Truppen abgezogen. Jenun. So geht Spin-Doktorei.

Labels: , , , , , , , , ,

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite