Fieber in der Nachbarschaft

Die Vietnamesen sitzen vor ihrem bis zur Unkenntlichkeit mit Fähnchen und anderen Fan-Kinkerlitzchen bestückten Kiosk. Der alte Clanchef, dem auch der China-Imbiss nebenan gehört, sitzt mit schwarz-rot-goldenen Badelatschen auf einem schwarz-rot-gold-Stuhl und trinkt Becks.
Eine der Töchter trägt die Deutschlandflagge als Toga und dazu eine passende Baseball-Kappe. Ein paar Schritte weiter zeigen die Türken --und zwar alle,von der Zockbude über den Altwarenhändler bis zum Waschmaschinenladen -- mit allerlei schwarz-rot-goldenem Schnickschnack in den Schaufenstern, zu wem sie während der Weltmeisterschaft halten. Die Lybier halten sich zurück, aber dafür verkauft die halbrussische Blumenhandlung Anturien in den Nationalfarben. "Die Leute wollen das so," sagt Brigitte, die dort aushilft, und dass es gar nicht so einfach sei, Anturien anständig auf deutsch zu färben.
Labels: Höfliche Paparazzi, Weltmeisterschaft, Werktagsgeschichten
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